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ONLINESAMMLUNG

Tina Blau

Modern und unerschrocken – Eine Künstlerin des 19. Jahrhunderts geht ihren Weg

Im November 1845 kam Regina Leopoldine Blau, gen. Tina Blau, als Tochter eines aus Prag stammenden Militärarztes in Wien zur Welt (†1916). Blau, die in ihren künstlerischen Ambitionen von ihrem Vater unterstützt wurde, verfolgte mutig ihren Weg und zählt heute zu den bekanntesten Landschaftsmalerinnen des 19. Jahrhunderts in Österreich.
Nicht nur, dass es zu Lebzeiten von Tina Blau weder einfach noch selbstverständlich war, als Frau einen künstlerischen Beruf zu ergreifen – schöpferische Kraft wurde Frauen generell abgesprochen und ihnen eine akademische Ausbildung verwehrt –, ging Blau, die Privatunterricht u. a. bei August Schaeffer (1833–1916) erhielt, noch einen Schritt weiter: Anstatt ihre Werke vornehmlich im Atelier zu malen, zog sie es vor, draußen in der Natur, direkt vor Ort, ihre Motive auf der Leinwand festzuhalten, wie z. B. im Motiv aus dem Prater, wo sie sich ab 1877 ein Atelier mit Emil Jakob Schindler (1842–1892) teilte. Als Pleinairmalerin war sie in ihrem Umfeld um 1900 eine Ausnahmeerscheinung.
Um neue Eindrücke und Erfahrungen zu sammeln, reiste sie – oft allein – nach Italien, Holland (siehe: Schiffswerft in Dordrecht, Kanal in Holland, Holländische Landschaft), Ungarn und Deutschland, wo sie in München ab 1869 länger blieb und ab 1887 an der Damenakademie des Münchner Künstlerinnenvereins einer Lehrtätigkeit nachging.
Durch ihre Studienreisen erweiterte sich nicht nur das Spektrum ihrer Motive, auch die unterschiedlichen Lichtverhältnisse und -phänomene prägten ihre im Ausland entstandenen Sujets. Blaus Malweise zeichnet sich einerseits durch Präzision und Liebe zum Detail aus, andererseits – insbesondere in Ölskizzen – durch einen flotten und offenen Pinselduktus. Herausstechend ist auch ihr Interesse an der technisierten Landschaft: Blau beschäftigte sich in ihren Arbeiten u. a. mit den Erdarbeiten und Umgestaltungen im Zuge der um 1870 vorgenommenen Donauregulierung, mit deren Darstellungen sie 1873 auf der Wiener Weltausstellung teilnahm, ebenso mit Motiven von Sandgruben, Gerbereien oder dem Eisenbahnbau. Damit rückte sie thematisch in ein männliches Terrain vor. Unabhängigkeit und Eigenständigkeit waren der Künstlerin, die ein Ehrengrab am Evangelischen Friedhof Simmering erhielt, besonders wichtig. KJ, 2026
Tina Blau-Lang. Modern und unerschrocken

2023/2024 Partielle Förderung für Digitalisierung durch BMKÖS „Kulturerbe digital“ im Rahmen von NextGenerationEU.