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ONLINESAMMLUNG

Broncia Koller-Pinell

Künstlerin und Netzwerkerin, Sammlerin und Mäzenatin

Broncia Koller-Pinell (1863−1934) zählt zu den bedeutendsten Künstlerinnen Österreichs des frühen 20. Jahrhunderts. Als eine der ersten weiblichen Künstlerinnen arbeitete Koller-Pinell ab 1900 intensiv mit dem Medium des Holzschnitts, in dem sie zu einer modernen, stilisierten Formensprache fand. Um 1910 entwickelte sie in der Malerei die für ihre Kunst typische Verbindung von Stilelementen der Wiener Moderne mit dem französischen Impressionismus. In den 1920er-Jahren experimentierte sie schließlich mit einer neusachlichen Malweise. Ihre eigenständige stilistische Entwicklung spiegelt somit die zentralen künstlerischen Strömungen des frühen 20. Jahrhunderts wider und umfasst eine große Bandbreite an Sujets – von Porträts und Akten über Stillleben bis hin zu landschaftlichen Motiven.
Doch auch als Netzwerkerin ist Broncia Koller-Pinell bemerkenswert: Der Wiener Familienwohnsitz avancierte zu einem Treff- und Knotenpunkt des Who’s who der Wiener Moderne, darunter Sigmund Freud (1856−1939), Alma Mahler (1879−1964) sowie die feministischen Schriftstellerinnen Lou Andreas-Salomé (1861−1937) und Rosa Mayreder (1858−1938). Ihren Mann, den kunst- und literaturaffinen Industriellen Hugo Koller (1867−1949), hatte die hervorragend vernetzte Künstlerin nach Abschluss ihrer Ausbildung an der Münchner Damenakademie bei Ludwig Herterich (1856−1932) in den theo- und anthroposophischen Wiener Zirkeln um Rudolf Steiner (1861−1925) und Friedrich Eckstein (1861−1939) kennengelernt. Ebenso war Koller-Pinell in Künstler*innenkreisen bestens vernetzt: Früh suchte sie den künstlerischen Austausch mit Secession und Wiener Werkstätte, führte von 1906 bis 1911 eine Ateliergemeinschaft mit dem jungen Maler Heinrich Schröder (1881−1942), beteiligte sich regelmäßig an Ausstellungen und war Mitbegründerin der Neuen Secession und des Sonderbundes. Das Ehepaar Koller-Pinell unterstützte außerdem Kunstschaffende wie Gustav Klimt (1862−1918), Egon Schiele (1890−1918) und Robin Christian Andersen (1890−1969) durch gezielte Ankäufe und Auftragsarbeiten.
Der Aufstieg der Nationalsozialist*innen bedeutete eine Zäsur für die jüdische Künstlerin und trieb sie bis zu ihrem frühen Krebstod 1934 zunehmend in gesellschaftliche und künstlerische Isolation. Die erste Gedächtnisausstellung, 1961 durch Silvia Koller (1898−1963) initiiert, hat die Wiederentdeckung ihres bedeutenden Œuvres angestoßen, das bis heute fasziniert und zu immer neuen Erkundungen einlädt.
Broncia Koller-Pinell. Künstlerin und Netzwerkerin, Sammlerin und Mäzenatin

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