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ONLINESAMMLUNG

Natalie Baczewski, 1907

Leopold Museum,
Wien © Fondation Oskar Kokoschka/Bildrecht,
Wien 2022
Öl auf Leinwand
95,5×68,5 cm

Künstler*innen

  • Oskar Kokoschka

    (Pöchlarn 1886–1980 Montreux)

Derzeit ausgestellt im OG3
Als Hochzeitsgeschenk für ihren Verlobten Max Baczewski (1873–1938) ließ Natalie Steinhaus (1883–1942) 1907 ein Porträt von sich anfertigen. Die Suche nach einem*r geeigneten Künstler*in führte ihren Vater Sigmund Steinhaus (1834–1916) in die Kunstgewerbeschule, wo er sich nach einem*r talentierten Schüler*in erkundigte. Oskar Kokoschka (1886–1980), der ab dem Sommer 1906 seine Studien der Porträtmalerei intensiviert hatte, meldete sich kurz darauf bei der Familie, in deren Wohnung in der Ameisgasse 19 schließlich die Sitzungen stattfanden. Das Gemälde war eine von Kokoschkas ersten Auftragsarbeiten und markiert einen wichtigen Schritt in seiner künstlerischen Entwicklung. Während des Nationalsozialismus wurde die Familie Baczewski Opfer des aufschäumenden Hasses: Max Baczewski musste seinen Beruf als Patentanwalt niederlegen und starb wenige Tage nach der Reichspogromnacht im November 1938. Die Söhne Victor und Alexander wurden verhaftet und in Konzentrationslager nach Dachau und Buchenwald deportiert, konnten jedoch nach ihrer Entlassung in die USA fliehen. Natalie blieb in Wien zurück. Am 20. März 1939 suchte sie um eine Ausfuhrbewilligung für fünf Ölgemälde, unter denen möglicherweise dieses Porträt war, an, die auch erteilt wurde. Sie selbst wurde zwangsumgesiedelt. Am 14. September 1942 kam Natalie Baczewski in das Vernichtungslager Maly Trostinez, wo sie vier Tage später ermordet wurde. Ihre Nummer war 155. Das Porträt blieb bis 1975 in Familienbesitz und ging später in mehrere Privatsammlungen über.

Objektdaten

Künstler*in​/Autor*in
  • Oskar Kokoschka
Titel
Natalie Baczewski
Datierung
1907
Kunst­strömung
Expressionismus
Kategorie
Gemälde
Material​/Technik
Öl auf Leinwand
Maße
95,5×68,5 cm
Nennung Leihgeber*in
Privatbesitz
Literatur­auswahl
  • Wien 1900. Aufbruch in die Moderne, hrsg. von Hans-Peter Wipplinger, Wien 2019 (Ausst.-Kat. Leopold Museum, Wien, ab 15.03.2019).
  • Oskar Kokoschka. Expressionist, Migrant, Europäer, hrsg. von Cathérine Hug/Heike Eipeldauer, Heidelberg 2018 (Ausst.-Kat. Kunsthaus Zürich, 14.12.2018–10.03.2019; Leopold Museum, Wien, 06.04.2019–08.07.2019).
  • Kokoschka. Das Ich im Brennpunkt, hrsg. von Tobias G. Natter/Franz Smola, Wien 2013 (Ausst. Kat. Leopold Museum, Wien, 04.10.2013–27.01.2014).
  • Die nackte Wahrheit. Klimt, Schiele, Kokoschka und andere Skandale, hrsg. von Tobias G. Natter/Max Hollein, München 2005 (Ausst.-Kat. Schirn Kunsthalle, Frankfurt, 28.01.2005-24.01.2005; Leopold Museum, Wien, 31.05.2005-22.08.2005).
  • Johann Winkler/Katharina Erling: Oskar Kokoschka. Die Gemälde 1906–1929, Salzburg 1995.
  • Fondation Oskar Kokoschka, Werkkatalog der Gemälde von Oskar Kokoschka, https://www.oskar-kokoschka.ch/de/1020/Online-Werkkatalog.
Werk­verzeichnis
  • Winkler/Erling 1995: 8
  • oskar-kokoschka.ch: 1907/1
Schlag­wörter

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Provenienz

Provenienzforschung
im Leopold Museum i

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