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ONLINESAMMLUNG

Brief von Egon Schiele an Margarete Partonek mit Aquarell (Gesicht eines Mädchens), März 1906

Leopold Museum,
Wien
Leopold Museum,
Wien
Tusche auf Papier
17,4×22 cm

Künstler*innen

  • Egon Schiele

    (Tulln 1890–1918 Wien)

  • Margarete Partonek
Leider derzeit nicht ausgestellt

Transkription:

LIEBSTES FRÄULEIN…

Mein neues „Drüben“
verdirbt mir meine ganze
Aussicht. Früher konnte ich Sie
wenigstens hinter einem
grünen Versteck sehen, doch
jetzt ist dieses Dach am Fenster
zu kurz.
Warum schreiben Sie
nichts mehr so wie vor eini-
gen Wochen? Wenn solcherlei
Sachen bis jetzt noch niemand
außer den Nächsten in unserer
Umgebung weiß, glaube ich
wird es niemand, am we-
nigsten bei Ihnen in der
Schule erfahren; vorausge-
setzt daß Sie selbst nichts
weiter Ihren Freundinnen
& Kolleginnen sagen oder
vorlesen. Sie haben mir erst
drei Schreiben durch Ihren
Bruder geschickt, die bei mir
gut aufgehoben sind, während
ich Ihnen deren schon mehrere
zukommen lassen haben [!].
Würden Sie vielleicht wirk-
lich nicht schreiben können,
aus Gründen die Sie mir
nicht sagen wollen, so gibt
||
es noch ein Zweites, bei dem ich an Ihrer
Stelle keine Ausrede finden würde.
Sie gehen abends oft auf der
Gasse mit Fräulein Hermine, könnten
Sie nicht zumindest den Weg in eine
andere Gasse einschlagen? Es kommt
nur an Ihren Willen an den Sie
leicht bezwingen können; dann
möchten Sie Ihre Worte erfüllen,
die Sie mir so deutlich schrieben.
Wie oft gehen Sie in die Obere Stadt,
wie z.B. am Montag, da könnten
Sie doch diesen vorhergenannten
Weg beim hin oder Retourgehen
benützen.
Wenn ich auch jetzt vielleicht Un-
angenehmes schrieb, so bitte ich um
Verzeihung, denn aus vielen werden
Sie sehen, daß ich so schreibe wie
ich denke. Würden Sie mir Ver-
zeihung nicht gewähren, so bitte
ich dieses zurückzusenden.
Hoffentlich aber werden Sie
von meinen Ratschlüssen aus-
wählen, so daß nicht der schönste
Monat ohne Ausnützung ver-
fließt.
Sie sind jeden Sonntag fort
am 22. waren Sie in Hadersfeld,
wo waren Sie am letzten Sonntag?
Umsonst werden Sie nicht Ausflüge
machen. Es grüßt Sie herzlichst Ihr ES [Egon Schiele]

Objektdaten

Künstler*in​/Autor*in
  • Absender: Egon Schiele
  • Empfängerin: Margarete Partonek
Titel
Brief von Egon Schiele an Margarete Partonek mit Aquarell (Gesicht eines Mädchens)
Datierung
März 1906
Kategorie
Autograf
Material​/Technik
Tusche auf Papier
Maße
17,4×22 cm
Nennung
Leopold Museum, Wien, Inv. 5364
Inventar­zugang
Neuzugang 2008
Werk­verzeichnis
  • ESDA ID 1891
  • Nebehay 1979: Nicht gelistet/Not listed
Schlag­wörter
Egon Schiele
Datenbank der Autografen

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Egon Schiele Datenbank der Autografen

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Provenienz

Provenienzforschung
im Leopold Museum i

Margarete Partonek, Neu-Ofen (ab 1906);
Familie Partonek, Salnau (o.D.);
Auktion: 12.02.1959, Dorotheum, Wien, Los Nr. 318; (1)
Auktion: 29.11.2007, Galerie Auktionshaus Hassfurther, Wien, Biedermeier - Klassische Moderne, Los Nr. 24; (2)
Leopold Museum-Privatstiftung, Wien (seit 2007)

  1. Leopold Museum Wien, Datenbank der Autografen, ID 1891; Dorotheum Wien, Nachrichtenblatt für Bücherauktionen, Wien 1959
  2. Galerie Auktionshaus Hassfurther, Katalog zur 44. Auktion, S. 36-47; Archiv des Leopold Museums, Rechnung vom 04.04.2008

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